|
Nabelschnurblut
einlagern
|
| |
Beratung
von Schwangeren
Nabelschnurblut einlagern
Eine biologische Lebensversicherung für Neugeborene
von Dr. Ingolf Dürr, Marburg /
Veröffentlicht in der Fachzeitschrift PTA heute Nr. 12 Dez. 2000
Von besonderem Interesse für jede schwangere Frau sind Hinweise
zur Gesunderhaltung ihres Kindes. Als "biologische Lebensversicherung"
des neugeborenen Kindes kann die Einlagerung des Nabelschnurblutes
betrachtet werden? die darin enthaltenen Stammzellen können bei
schweren Erkrankungen lebensrettend sein. Neueste wissenschaftliche
Erkenntnisse zeigen, dass das Blut der Nabelschnur ein wertvoller
biologischer Rohstoff ist, der in der Medizin in naher Zukunft eine
immer bedeutendere Rolle spielen dürfte. So werden bereits heute
Stammzellen aus der Nabelschnur erfolgreich für die Behandlung mancher
Krebsarten eingesetzt, doch das Potenzial dieser Zellen ist weitaus
größer. Bald schon werde man in der Lage sein, abgenutzte, verletzte
oder erkrankte Organe und Körpergewebe zu erneuern beziehungsweise
zu ersetzen, versprechen die Stammzell-Forscher. |
| |
 |
Bis
vor einigen Jahren landete die Nabelschnur zusammen mit der Plazenta
nach der Entbindung meist im Müll, und auch heute schenken Gynäkologen
und Geburtshelfer diesem nach der Geburt scheinbar nutzlos gewordenen
Schlauch nur selten Beachtung. An dieser Praxis hat sich aber schon
einiges geändert, seit man |
| in
dem Blut, das sich nach der Geburt noch in der Nabelschnur und im
Mutterkuchen befindet, so genannte Stammzellen entdeckt hat. |
| |
Was
sind Stammzellen?
Genau betrachtet, entwickelt sich der Mensch aus einer einzigen
Zelle, der Eizelle. Nach der Befruchtung, also der Verschmelzung
mit einem Spermium, beginnt sich die Eizelle zu teilen und der Embryo
wächst langsam heran. Gelenkt von bestimmten Wachstumsfaktoren übernehmen
die neu gebildeten Zellen ganz unterschiedliche Aufgaben: Manche
werden zu Muskeln, andere finden sich zu Organen wie Leber und Nieren
zusammen, wieder andere bilden Augen oder Nervenfasern. Alle Organe
und Körpergewebe stammen also in direkter Folge von solchen frühen
Vorläuferzellen oder Stammzellen ab.
Embryonale Stammzellen?
zu allem fähig, aber umstritten
Das Besondere an diesen embryonalen Stammzellen: Sie können sich
schier unendlich teilen, und, je nachdem von welchen Wachstumsfaktoren
sie beeinflusst werden, entwickeln sie sich in alle denkbaren Gewebe?
bzw. Zelltypen weiter, weisen also eine extrem hohe Plastizität
auf. Für die Medizin eröffnen embryonale Stammzellen ganz neue Perspektiven.
Bislang als unheilbar geltende Krankheiten, wie Alzheimer, Parkinson,
Diabetes oder Multiple Sklerose könnten erfolgreich mit Stammzellen
therapiert werden. Doch während in anderen Ländern die rechtlichen
Regelungen gelockert werden, ist in Deutschland die Forschung an
Embryonen durch das Embryonenschutzgesetz strikt untersagt. Zu groß
scheint dem Gesetzgeber die Gefahr, dass menschliche Embryonen möglicherweise
bald nur noch zum Zweck des therapeutischen Klonens von Geweben
und Organen heran gezüchtet werden könnten. Und diese ethischen
und moralischen Bedenken sind durchaus nicht unbegründet.
Stammzellen aus der Nabelschnur - moralisch unbedenklich
Einen Ausweg aus dem ethischen Dilemma bieten zwei andere Stammzellquellen:
das Knochenmark oder die Nabelschnur. Im erwachsenen Organismus
befinden sich so genannte adulte Stammzellen in fast allen Körpergeweben,
es handelt sich quasi um Reservezellen.
Im Knochenmark sind sie dafür verantwortlich, dass sich unser Blut
ständig erneuert. In der Leber reparieren sie Schäden, die zum Beispiel
durch Alkoholmissbrauch verursacht wurden. Im Vergleich zu ihren
embryonalen Pendants sind diese "erwachsenen" Stammzellen allerdings
keine Alleskönner mehr, sondern schon weitgehend auf die Funktionen
in ihrem speziellen Organ festgelegt. Im Laufe des Lebens verringert
sich ihre Anzahl, und sie sind oft nur noch mit Mühe auffindbar.
Dennoch werden blutbildende Stammzellen aus dem Knochenmark heute
häufig
bei der Therapie verschiedener Krebsarten verwendet, wenn ein geeigneter
Spender zur Verfügung steht. |
| |
 |
Das
so genannte therapeutische Klonen ist ziemlich umstritten.
Die Grafik zeigt, auf welchem Weg Wissenschaftler Stammzellen
erzeugen können: In eine entkernte Eizelle wird genetisches
Material eines Spenders eingefügt. Die Eizelle teilt sich
und entwickelt sich zur Blastozyte, durch Zugabe unterschiedlicher
Wachstumsfaktoren entwickeln sich |
|
unterschiedliche
Zellstrukturen. Diese wiederum können im Idealfall zu Organgewebe,
Knorpel oder Knochengewebe oder gar Nervenzellen heranwachsen.Diese
können dem Spender des genetischen Materials eingepflanzt werden,
ohne dass Abstoßungsreaktionen zu befürchten sind. Stehen nun Stammzellen
aus Nabelschnurblut zur Verfügung, entfällt die Prozedur, genetisches
Material erst in eine Eizelle einzufügen. Die Stammstellen stehen
für den mit 3 bezeichneten Schritt sofort zur Verfügung.
Einfacher und schonender sind Stammzellen aus dem Nabelschnurblut
zu extrahieren. Darin enthaltene blutbildende Stammzellen werden
bereits seit einigen Jahren erfolgreich in der Krebstherapie eingesetzt.
Im Vergleich mit adulten Stammzellen aus dem Knochenmark von Spendern
haben die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut einige Vorteile: sie
sind
in der Regel frei von Viren und von Schäden am Erbgut, die sich
im Laufe eines Lebens durch umweltbedingte Einflüsse ansammeln können.
Darüber hinaus deuten aktuelle Untersuchungen darauf hin, dass Nabelschnurblut?
Stammzellen noch eine hohe Plastizität zeigen, das heißt, sie sind
wahrscheinlich inder Lage, außer Blutzellen auch noch eine Vielzahl
anderer Zelltypen aus sich heraus entstehen zu lassen ? zum Beispiel
Muskel oder Nervenzellen. Im Nabelschnurblut nachgewiesen wurden
bereits Vorläuferzellen für Knochen und Knorpel. Es ist daher abzusehen,
dass Nabelschnurblut in Zukunft für die Medizin immer mehr an Bedeutung
gewinnen wird. Bereits heute forscht man fieberhaft an der Anwendung
von Nabelschnurstammzellen zur Regeneration von Knorpel? oder Knochengewebe,
aber auch an den Möglichkeiten zur Reparatur von Muskelschäden,
zum Beispiel nach einem Herzinfarkt. Auch die Heilung
von Rheuma rückt so in greifbare Nähe.
Nabelschnurblut ? Spende oder individuelle Einlagerung?
Viel weiter als hierzulande hat sich deshalb in den USA schon der
Gedanke durchgesetzt, das bei der Geburt anfallende Nabelschnurblut
entweder zur Behandlung anderer Kinder einer öffentlichen Nabelschnurblutbank
zu spenden, oder aber im Sinne einer "biologischen Lebensversicherung"
für das Kind (und eventuell die nächsten Verwandten) die Stammzellen
individuell aufbewahren zu lassen. Sollte das Kind im Laufe seines
Lebens erkranken, könnte es so immer auf seine eigenen Stammzellen
zurückgreifen? und das ohne die bei Transplantationen sonst so gefürchteten
Abstoßungsreaktionen in Kauf nehmen zu müssen, weil die Zellen ja
aus dem eigenen Körper stammen. In Deutschland ist die Möglichkeit
einer Nabelblutspende oder der individuellen, privaten Einlagerung
bisher nur den wenigsten Eltern bekannt. Kaum jemand weist die Mutter
oder den Vater darauf hin, wie wertvoll das Nabelschnurblut für
das Kind einmal werden könnte.
Nur wenige Kliniken hierzulande verfügen bereits über eigene Blutbanken
mit gespendetem Nabelschnurblut. Nabelschnur?Fremdspenden kommen
mit gutem Erfolg bei der Behandlung Leukämie-kranker Kindern zum
Einsatz. Die bereits angesprochenen zukünftigen Möglichkeiten der
Stammzellmedizin, wie die Regeneration von Nerven, Muskeln, Knochen,
Knorpeln oder Organen werden allerdings nur den Kindern offen stehen,
die vollen Zugriff auf ihre eigenen Nabelschnur?Stammzellen haben,
deren Nabelschnurblut also individuell eingelagert wurde. Diesen
Service der individuellen Aufbewahrung des Nabelschnurbluts Neugeborener
bietet interessierten Eltern ?europaweit derzeit einzigartig? das
forschende Leipziger Dienstleistungsunternehmen Vita34 an. Bei Vita34
wird nicht
nur aufbewahrt, sondern es wird dort auch aktiv daran gearbeitet,
die Nutzungsmöglichkeiten von Stammzellen zu verbessern. Das Deutsche
Grüne Kreuz hat die Arbeit von Vita34 sorgfältig überprüft und für
gut befunden. Man sollte sich allerdings darüber im Klaren sein,
dass die individuelle Nabelschnurblut-Einlagerung für die Eigennutzung
nicht kostenlos ist und derzeit auch keine Erstattung der Gebühren
durch die gesetzliche Krankenkasse erfolgt (einige private Krankenversicherungen
überlegen allerdings, die Einlagerung in ihren Leistungskatalog
aufzunehmen). Insgesamt muss man für die Blutgewinnung, den Transport,
das Einfrieren und die Lagerung des Nabelschnurbluts für die ersten
20 Jahre mit Kosten in Höhe von rund 3000 Mark rechnen. Auf den
Monat umgerechnet scheinen 12 Mark aber ein vergleichsweise kleiner
Preis für diese sinnvolle Gesundheitsversicherung des Kindes. Die
Chance der Einlagerung der Stammzellen aus Nabelschnurblut bietet
sich nur einmal im Leben? bei der Geburt. Aufklärung darüber ist
wichtig. Das Deutsche Grüne Kreuz e.V. hat sich dieser Problematik
angenommen und gibt seit kurzem eine Broschüre mit dem Titel "Stammzellen
aus der Nabelschnur - ein kostbares Gut" heraus. |
| |
 |
Für
die Beratung von Schwangeren in der Apotheke ist diese Broschüre
kostenlos erhältlich. Die Informationsschrift wendet sich
speziell an werdende Eltern und Paare in der Familienplanung,
die mehr zu diesem Thema erfahren wollen. |
|
| |
NABELSCHNURBLUT-ENTNAHME ZUR INDIVIDUELLEN EINLAGERUNG
1. Kontakt zu dem Leipziger Dienstleistungsunternehmen Vita34
aufnehmen, die Nabelschnurblut individuell einlagert.
2. In der Entbindungsklinik ankündigen, dass Nabelschnurblut
nach der Geburt entnommen und an schließend gelagert werden soll.
3. Vita34 schickt nach Vertragsabschluss ein in Styropor verpacktes
Blutentnahme?Set zu, das zur Geburt in die Klinik mitgenommen wird.
4. Vor der Geburt im Kreißsaal den Arzt und die Hebamme informieren
und ihnen das Entnahmeset übergeben.
5. Direkt nach der Abnabelung des Kindes entnimmt der Arzt oder
die Hebamme das Nabelschnurblut und lagert es bei Raumtemperatur
in dem mitgebrachten Styropor?Behälter.
6. Vita34 muss sofort über die er folgte Nabelschnurblut?Entnahme
informiert werden.
7. Ein von der Vita34 beauftragter Kurierdienst holt das Blut
aus der Entbindungsklinik und bringt es auf dem schnellsten Weg
ins Labor.
8. Im Labor wird das Blut gründlichen Qualitätsprüfungen unterzogen
und spätestens 24 Stunden nach der Entnahme kryokonserviert ? bei
?196 °C tiefgefroren.
9. 4 Wochen nach der Geburt erhalten die Eltern ein Zertifikat
über die erfolgreiche Einlagerung.
Nähere Informationen können auch direkt bei Vita34 unter www.vita34.de
oder bei der
Gesellschaft für Zelltransplantate
Nonnenstraße 37
04229 Leipzig
eingeholt werden. |
|
(
zurück )
|
|